"Lyrisches und Pulsierendes, Wehmütiges, Leidenschaftliches und Kraftvolles, Sinnliches und Vitales, alle Schattierungen des Chansons werden an diesem Abend sichtbar. Kantilenen werden abgerissen, Gesangsgirlanden führen in zarte Vibrati oder brechen aus in einen deklamatorischen Operngestus...
Die Perfektion seiner Stimme, die virtuose Klavierbegleitung und die einfühlsame Interpretation der Texte bilden eine gelungene Einheit."

"Allein Di Rosa's samtene Stimme, die sich ekstatisch in die Lüfte schwingen kann, war äußerst bestechend. Die Art und Weise, wie der junge Tenor die ausgewählten Chansons interpretierte, ließ die Zuhörer spüren, dass er Musik und Texte nicht nur genoss, sondern ihnen mit Leib und Seele nachspürte."

"Di Rosa hat an der Saarbrücker Musikhochschule studiert und verfügt über eine resonanzreiche Tenorstimme mit expressiven Mittellagen und plastischen Tiefenregistern. Also wie geschaffen für das Besondere der Aznavour-Lieder, mit ihrer einmaligen Expressivität. Wie Aznavour persönlich, versteht Di Rosa es hervorragend seine Stimme lang ausschwingen zu lassen und erst sehr spät mit dem Vibrato einzusetzen. Bei seiner Stimmfülle hätte er eigentlich das Mikrofon gar nicht gebraucht..."

Saarbrücker Zeitung

Ihm zu lauschen kann süchtig machen

Vincenzo Di Rosa in der Bel étage: „Leidenschaft pur“ mit weltberühmten Chansons

Saarbrücken. Einen besseren Start in die neue Konzert-Saison hätte man sich für die Bel étage in der Saarbrücker Spielbank nicht wünschen können.

Zu Gast im restlos überfüllten Saal war am Freitag Tenor Vincenzo di Rosa mit seinem Klavierpartner Georgi Mundrov. Das bedeutete internationale Chansons vom Feinsten. Sobald die erste Melodie-Linie des neuen Programms „Leidenschaft pur“ erklang, war klar, warum die beiden nun schon zum sechsten Mal kommen dürfen. Dabei bietet der unter anderem an der Saarbrücker Musikhochschule ausgebildete Italofranzose objektiv betrachtet fast nur alte Hüte. Denn Vincenzo di Rosa tritt mit Vorliebe in die Fußstapfen der Altmeister des französischen und italienischen Chansons.

Zwar geht er mit den Stücken der großen Vorbilder von Jacques Brel über Charles Aznavour bis hin zu Gino Paoli mit einer unter die Haut gehenden Intensität auf Tuchfühlung, allerdings gelingt ihm dabei das Kunststück, sich selbst ein unverwechselbares Profil zu verschaffen. Was natürlich nicht zuletzt seiner betörenden Stimme zu verdanken ist.

Die präsentiert sich mal in watteweichen Seufzern, mal in lockender Sinnlichkeit, um dann mit nahezu orgiastisch anmutenden Crecendi und stupender Brillanz ein Fegefeuer der Emotionen zu entfachen. Die Auftragskomposition „Ich mag es so“ aus der Feder des Philosophiestudenten Daniel Schmitz offenbarte das Potenzial, sich nahtlos in den Reigen der Großen einzufügen. Interessant auch, den Edith-Piaf-Klassiker „Je ne regrette rien“ einmal aus der männlichen Variante zu erleben. Nach vier Zugaben des Künstlers war jedoch Schluss in der Bel étage. Leider. Denn Vincenzo di Rosa zu lauschen, das kann durchaus süchtig machen.

Saarbrücker Zeitung